Teilhabe für alle – noch ein weiter Weg

Veröffentlicht am 22.11.2021 in Kommunales

Seit Unterzeichnung der UN Behindertenrechtskonvention vor fast 15 Jahren ist in Sachen Inklusion schon viel passiert. Auf dem Diskussionsabend der SPD im Bitburger Haus der Jugend wurde allerdings auch klar: Bis zur uneingeschränkten Teilhabe von Menschen mit Behinderung am täglichen Leben liegt noch ein weiter Weg vor uns.

Es geht heute beim Thema Inklusion nicht mehr um die Frage der Fürsorge, sondern vor allem um die innere Haltung, so Matthias Rösch - der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung. Viel sei bereits geschehen – er verwies beispielhaft auf den ÖPNV, der landesweit weitestgehend barrierefrei ausgebaut sei. Doch im täglichen Leben gebe es bislang noch immer zahlreiche Hürden. Das fange bei der digitalen Barrierefreiheit an, wie beispielsweise Websites die auch von Menschen mit Beeinträchtigung leicht bedienbar sein müssten oder Online-Formularfelder, die über die notwendigen barrierefreien Funktionen verfügen müssten. Doch auch bei großen Themen wie bezahlbarer barrierefreier Wohnraum oder die Integration in den Arbeitsmarkt zu normalen Löhnen sei noch viel Luft nach oben.

Das bestätigte auch Gerd Wanken, der Behindertenbeauftragte des Eifelkreises. „Behinderte stoßen auch heute noch auf zahlreiche Barrieren und Ausgrenzungen“, so Wanken. Auch er lobte zwar die Barrierefreiheit des ÖPNV – von Bushaltestellen bis zu Niederflurbussen mit absenkbaren Einstiegen. Doch das Angebot sei im Flächenlandkreis viel zu dünn. Er wies auch auf zahlreichen Missstände in Bitburg sowie in anderen Gemeinden des Eifelkreises hin – von Bio-Tonnen, die von Rollstuhlfahrern nicht genutzt werden könnten über fehlende öffentliche Behindertentoiletten bis hin zu kontrastarmen Parkplatzmarkierungen. Doch es gebe auch zahlreiche positive Beispiele so Wanken, der sich als Sprachrohr und Anwalt für Menschen mit Behinderungen versteht – und gleichzeitig als Berater für Selbsthilfegruppen und politische Gremien. Er führt die konstruktive Zusammenarbeit mit dem LBM (Landesbetrieb Mobilität) beim Ausbau neuer Ortsdurchfahrten an, den Ausbau barrierefreier Wanderwege oder privatwirtschaftliche Beispiele wie das Prümer Kino mit barrierefreien Kinosälen und Sitzbereichen. „Diese Beispiele machen Mut“, so der engagierte Vertreter.

In anschließenden Arbeitsgruppen tauschten sich Betroffene und Vertreter verschiedener Beratungsstellen und Selbsthilfeorganisationen zu diversen Alltagsthemen aus. Es entstand ein umfangreicher Maßnahmenplan für Stadtgestaltung, behindertenfreundliche Verwaltung oder Vernetzungsarbeit. Die Teilnehmer wollten an dem Abend nicht auseinandergehen, ohne konkrete Schritte zu definieren. Dazu zählt die Gründung eines Netzwerkes für die Beratung von Betroffenen sowie Inklusionsarbeit, eine Inventur der Stadt Bitburg in Bezug auf Behindertenfreundlichkeit oder ein Leitfaden für Behinderte und deren Angehörige. Diese Punkte wird die Bitburger SPD in der Umsetzung nun eng begleiten, um  einen langfristigen Prozess anzustoßen. „Wenn wir uns spätestens in einem Jahr in dieser Runde wieder sehen, wollen wir erste konkrete Erfolge aufzeigen können“, so die Vorsitzenden Irene Weber und Heiko Jakobs sowie SPD-Mitinitiator Markus Land.